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FernUni-News - Lehre und Weiterbildung

Mit einem Klick im Seminar

Spielend lernen an der FernUniversität

Manuela Feldkamp, Mitarbeiterin der Stabsstelle Presse & Öffentlichkeitsarbeit, nahm als Gast an der Ringvorlesung „Game-Based-Learning“ teil.

Lehre per Internet: Jun.-Prof. Dr. Michael Klebl

Es ist Dienstagabend, 19 Uhr. Ein Klick und ich bin drin – im Seminarraum des Lehrgebiets Mediendidaktik der FernUniversität in Hagen. Mit mir warten 28 Studierende gespannt auf die erste Veranstaltung der Ringvorlesung „Game-Based-Learning“. Einige – ich übrigens auch – waren schon vor einer Stunde kurz da. Nicht um einen Seminarplatz zu bekommen, sondern um die Technik zu prüfen. Alle können sitzen, wo sie wollen: Auf dem Sofa zuhause oder am eigenen Schreibtisch, nur nicht in der FernUniversität. Das Internet macht es möglich.

„Game-Based-Learning“ ist eine online-basierte Ringvorlesung im virtuellen Seminarraum, unterstützt vom Web-Kommunikationssystem Adobe Connect. Lediglich einen PC und DSL-Internetanschluss müssen die Studierenden haben. „Optional außerdem eine Webcam und ein Headset“, hatte Claudia Schrader, Organisatorin und Moderatorin der Veranstaltungsreihe, im Vorfeld denen empfohlen, die mit eigenem Ton und Bild teilnehmen möchten. Eine technische Einführung und den Zugang zum virtuellen Seminar hatte sie bereits per Mail geschickt. Anmelden können sich Studierende übrigens auch nur für einzelne der neun Veranstaltungen in den vier Schwerpunkten „Learning Situation“, „Gameplay Situation“, „Storytelling Situation“ und „Social context/Identifcation“.

„Herzlich willkommen zur ersten Veranstaltung“, begrüßt uns Claudia Schrader via Headset, „in den folgenden Wochen werden neun bekannte Fachleute ‚Lernen mit digitalen Medien´ aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.“ Auch die Vortragenden können von zu Hause aus arbeiten.

In einem virtuellen Seminarraum gelten die gleichen Umgangsregeln wie in einem realen. Wer sich meldet, bekommt das Wort erteilt. Damit nicht alle durcheinander reden, sind Kamera und Ton für uns während der Vorlesung noch nicht frei geschaltet. Wir können aber jederzeit Fragen und Anmerkungen über die Chatfunktion an Claudia Schrader senden, die diese im Anschluss anmoderieren und an den Vortragenden weitergeben wird. Wer möchte – und das technische Equipment hat – kann sie dem Referenten oder der Referentin auch selbst stellen.

Heute ist das Dr. Michael Klebl, Junior-Professor für Computer Supported Collaborative Learning (CSCL) am Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung in Hagen. Claudia Schrader hat seine Webcam und seinen Ton frei gegeben, so dass jetzt er im „Kamerafenster“ auf meinem Bildschirm zu sehen ist. In seinem Vortrag „(Spiel-)Pädagogische Grundlagen zum Game-Based-Learning“ geht er auf historische und moderne bildungswissenschaftliche Zugänge zum Phänomen „Spiel“ ein. Wir erfahren z. B., dass der anthropologisch-historische Ansatz den Menschen als „Homo ludens“ sieht – erst im Spiel wird der Mensch zum Menschen. Der entwicklungspsychologische Ansatz geht einen Schritt weiter und fragt, wie Spielen auf psychomotorische, kognitive und soziale Fähigkeiten wirkt.

„Gibt es bereits erste Anmerkungen?“ fragt Claudia Schrader über die Chatfunktion das Plenum. Zu sehen sind die Wortmeldungen der Studierenden auf dem Bildschirm nicht. Die Moderatorin wird sie nach dem Vortrag zur Diskussion stellen.

„Im Lehr- und Lernprozess lassen sich Phasen des Spiels und Wissenserwerbs kombinieren und ergänzen“, fährt Prof. Klebl fort. Computerspiele beinhalten oft Problemstellungen. Die Spielenden handeln, sammeln Erfahrungen und lernen daraus. Anhand des Spiels „Peace Maker“ verdeutlicht er diese Systematik. Die Spielenden müssen versuchen, in der Rolle des israelischen Premierministers oder des palästinensischen Präsidenten durch eigene Handlungen und Entscheidungen Frieden herzustellen.

Claudia Schrader hat die Anmerkungen der Studierenden gesichtet, gibt sie an Prof. Klebl weiter und stellt sie in den virtuellen Raum. Wer seine Frage selbst stellen möchte, erscheint im Kamerafenster. Ob „Peace Maker“ nicht erst Gewaltbereitschaft oder verstärken würde, fragt ein Student. „Nicht zwangsläufig, denn erfolgreich ist in diesem Spiel nur, wer ein Gleichgewicht zwischen den Parteien herstellt“, antwortet Klebl.

Es ist jetzt 20.30 Uhr und die erste Sitzung der Ringvorlesung „Game Based Learning“ geht dem Ende zu. Ich fand den Vortrag und die Diskussion sehr interessant. Auch wenn ich keine Studentin, sondern Journalistin bin.

Manuela Feldkamp | 28.05.2008
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