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Mit dem Laptop sofort in der FernUni – rein digitales Lernen ist zu abstrakt

Unternehmerin erste Absolventin des Bachelorstudiums Bildungswissenschaft

Die erste Studentin hat den Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft erfolgreich abgeschlossen: Sabine Runge, Unternehmerin aus Herdecke, befasste sich in ihrer Bachelorarbeit mit „Erfahrungen in virtuellen Räumen – Chancen und Risiken für die Identitätsentwicklung von Jugendlichen“.

Mit Sabine Runge (li.) freuten sich über die gelungene Prüfung Prof. Dr. Claudia de Witt (Mitte) und Beisitzerin Dr. Annabell Preußler

In ihrer Literatur-bezogenen Arbeit waren Einflüsse von Medien auf Jugendliche das Thema der selbstständigen Business-Trainerin, Coach und Mediatorin: Was beeinflusst junge Leute? Um welche Einflüsse handelt es sich im Einzelnen? Und wie verlaufen unter diesen Einflüssen die Prozesse, in denen sich die Identität der Jugendlichen entwickelt? Wie vollzieht sich ein solcher Prozess und welche Chancen und Risiken birgt er?

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die individuelle Medienkompetenz, die „Fähigkeit, zu erkennen, was nützt und was schadet mir?“ so Sabine Runge, die der unkritischen Glorifizierung von Medien ebenso eine Absage erteilt wie der Verteufelung. Vielmehr fordert sie eine differenzierte Betrachtung von Medien daraufhin, wie sie auf die individuelle Identitätsbildung wirken. So wirken Online-Rollenspiele in virtuellen Spielräumen ganz anders auf eine Persönlichkeit als Weblogs. Sabine Runge: „In Rollenspielen können Jugendliche Identitäten annehmen, die ihrer tatsächlichen vielleicht sogar völlig fremd sind. Um erkennen zu können, dass die Grenzen zur Realität verschwimmen benötigen sie Medienkompetenz.“ Weblogger dagegen können durch ihre Sprache zeigen, wie sie wirklich sind, sie können agieren und reagieren und sich so ihrem Gegenüber präsentieren. Damit entwickeln sie vielleicht sogar ein anderes Selbstbewusstsein. Kommt eine Webcam hinzu wird die virtuelle Welt durch Gestik und Mimik ergänzt, man kann mehr Persönlichkeit zeigen und selbst auch wahrnehmen: „Andere wissen dann aber vielleicht auch mehr über mich und meine Umwelt als selbst mein Nachbar.“

Zwischen Medienkompetenz und Spielen gibt es vielfältige Wechselbeziehungen: „Diese Kompetenz entsteht durch die Spiele, sie beeinflusst aber auch das Spielen – entweder, weil ich die Kompetenz habe oder weil ich sie nicht habe“, so Runge.

Wie die vielfältigen Chancen genutzt und auch die zahlreichen Risiken bewältigt werden hängt ganz entscheidend von der Art und Weise des Medienumgangs ab. Wichtig dabei sind Begleitung, Unterstützung und Förderung durch Eltern oder Lehrer und andere Verantwortliche. Eine gute Medienkompetenz ist für eine gelungene Identitätsentwicklung enorm wichtig.

Runges Meinung nach ist bisher noch nicht genügend erforscht, wie die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Medienkompetenzen und sozialer Ungleichheit sind: „Wie etwa können Eltern unterstützt werden, damit sie ihren Kindern bei der Nutzung von Medien helfen können?“ So verfügen z.B. Eltern mit höherer Bildung i. d. R. auch über eine bessere Medienkompetenz.

In ihrem Bachelorstudium Bildungswissenschaft sind viele Themen erarbeitet worden und konkrete Fragen auf unterschiedlichen Ebenen beantwortet worden, mit denen Sabine Runge in ihrem Beruf konfrontiert wird: „Ich hatte jahrelang nach einem passenden Studium für mich gesucht, das meine bisherige Praxis mit spezifischen wissenschaftlichen Theorien und Modellen verbindet. Weiterhin wollte ich während meiner intensiven Reisetätigkeit freie Zeiten aktiv für Wissenserwerb nutzen.“ Als sie auf das damals neue Angebot der FernUniversität stieß, fiel die Entscheidung in wenigen Minuten: „Die Themen haben mich sofort angesprochen und die Studienform war für mich attraktiv.“

Erfahrungen in virtuellen Räumen sammelte die Herdeckerin, die Lehrende und Coaches ausbildet, auch selbst. Ihr gefällt besonders die Kombination des Lernens mit Papier-Studienbriefen und der virtuellen „moodle“-Lernumgebung: „Ich musste keine Bücher auf Geschäftsreisen mitnehmen, sondern war auch dann mit meinem Laptop sofort online in der FernUniversität und hielt so Kontakte mit Lehrenden und anderen Studierenden.“

Auch die Präsenzangebote der FernUniversität nutzte Sabine Runge oft und gerne: „Das Miteinander sorgte immer wieder für einen Motivationsschub. Rein digitales Lernen ist viel zu abstrakt“, weiß die Bildungsunternehmerin, „dagegen ist einzigartig, welche Lebens- und Lernerfahrungen die Studierenden mitbringen, die sich in den Präsenzseminaren zeigen“. Fasziniert war sie davon, wie diszipliniert, selbstgesteuert und bereit erwachsene Menschen sein können, sich für ihre persönliche Bildung zu engagieren: „Viele entdecken den Wert der Bildung und erkennen ihre individuellen Potenziale.“

Geht's jetzt weiter zum Master-Abschluss? Abgeneigt ist die erfolgreiche Bachelor-Absolventin nicht

Dafür setzte sie viel Zeit und Energie ein: „Meine Work-Life-Balance war nicht immer optimal und ausgeglichen.“ Sogar beruflich trat die Unternehmerin oft etwas kürzer und gab Aufträge an Mitglieder ihres Teams weiter, um Freiräume für Lernzeiten zu schaffen: „Sechs Jahre Teilzeitstudium waren eine Option für mich, aufgrund meiner Selbstständigkeit jedoch nicht realisierbar, deswegen war ein schnellst möglicher Abschluss in sechs Semestern meine Priorität.“

Will sie jetzt auch ein Master-Fernstudium aufnehmen? „Mal sehen, erst mal sacken lassen, Lust hätte ich schon.“ Schließlich war „die Schnittmenge aus E-Learning, digitalen Medien, Papier, Präsenzlehre und Kontakten mit den Verantwortlichen an der FernUniversität für mich optimal."

Gerd Dapprich | 02.09.2008
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