Rubriken

FernUni-News - Lehre und Weiterbildung

Die „Gameboy-Generation“ kommt: Wie viel E-Learning braucht das Fernstudium zukünftig?

Arbeitsgemeinschaft für Fernstudien an Hochschulen tagte an der FernUni

„Wie viel E-Learning braucht das Fernstudium?“ war die zentrale Frage der Frühjahrstagung der Arbeitsgemeinschaft für Fernstudien an Hochschulen (AG-F) am 25. und 26. Mai an der FernUniversität in Hagen. Die AG-F, eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium e.V., ist ein Zusammenschluss von Fernstudienanbietern an Hochschulen in Deutschland und dem benachbarten Ausland. 50 Expertinnen und Experten für Fernlehre und Studium kamen zur weltweit einzigen deutschsprachigen staatlichen Fernuniversität.

Ausgangspunkt der Vorträge und Diskussionen war, dass die Welt der digitalen Bildungsmedien oftmals neben der Welt des Fernstudiums und der Fernlehre steht. Wo liegen die Differenzen, wo die Gemeinsamkeiten? Lösen die digitalen Bildungsmedien das klassische Fernstudium ab oder sind sie eine Ergänzung bzw. Weiterführung des Fernstudiums bzw. der Fernlehre?

Expertengespräch: FernUni-Rektor Prof. Helmut Hoyer (Mitte), der Vorsitzende des AG-F-Sprecherrats Dr. Burkhard Lehmann (re.) und Prof. Theo Bastiaens, Direktor des Hagener Instituts für Medienforschung und Bildungswissenschaft

In seiner Begrüßung bezog Rektor Prof. Dr.-Ing. Helmut Hoyer die zentrale Frage der Konferenz auf die Hagener Universität: „Wie viel E-Learning braucht das Fernstudium an der FernUniversität?“ Und vor allem: „Wie viel E-Learning brauchen unsere Fernstudierenden?“ Mit ihren Antworten jedenfalls liege die FernUniversität nicht ganz falsch, wie die Zahlen ihrer Studierenden in Universitätsstudiengängen, in Akademie- und Weiterbildungsstudien beweisen. Zukünftig will sie in einem neuen Forschungszentrum u. a. untersuchen, wie technologisch unterstütztes Lernen optimiert werden kann.

Entscheidend für den Einsatz einer Technologie ist für die FernUniversität seit jeher nicht das technisch Machbare, sondern ihre Nützlichkeit für Studierende und Lehrende. Welche Technologien das zukünftig sein werden lässt sich noch nicht sagen, denn auch die Lernbedürfnisse der FernUni-Studierenden ändern sich. Sie sind im Durchschnitt etwas älter als Präsenzstudierende, daher ist die Nachfrage nach MP3-Lernstoffen, Pod- und Vodcasts oder Twittern noch nicht besonders stark – Betonung auf „noch“. Obwohl ein Großteil von ihnen der „Gameboy- und Playstation-Generation“ angehört wollen viele auf den Studienbrief nicht verzichten.

Die spannende Frage ist: Bleibt das so? Oder lernen zukünftige Fernstudierende anders? Und wenn ja: Wann und wie? Helmut Hoyer ist sich sicher: „Die Nachfrage wird sich ändern.“ Videoprüfungen und Internetstreaming erfreuen sich ja schon wachsender Nachfrage. Daher erprobt die FernUni verschiedene elektronische Medien, weitere sind bereits nahtlos in Studium und Betreuung integriert.

Dies gilt z. B. für die Lernumgebung Moodle, die Prof. Dr. Theo Bastiaens im Anschluss an Prof. Hoyer in seinem Vortrag „Die Zukunft des Fernstudiums liegt im E-Learning“ skizzierte. Freiwillig können Studierende des Masterstudiums eEducation im Studium twittern. Bald stehen auch E-Books vor ihrer Bewährungsprobe. Prof. Bastiaens ist Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität und wissenschaftlicher Leiter der Konferenz. Weitere wissenschaftliche Vorträge hielten vom Institut Dr. Olaf Zawacki-Richter („E-Learning im Kontext der internationalen Fernstudienforschung“), Dr. Markus Deimann („Motivation durch Neue Medien? Zum Sinn und Zweck von E-Learning-Tools“) und Prof. Dr. Claudia de Witt („E-Learning im Fernstudium – eine Herausforderung für didaktische Innovationen“).

Grundsätzlich ist die FernUniversität niemals blind einer technischen Mode gefolgt, sondern immer bestens damit gefahren, intensiv zu prüfen, ob und wie eine neue Technologie sinnvoll für das universitäre Fernstudium einsetzbar war. Als Universität wird sie der Frage nach dem richtigen Anteil E-Learning wissenschaftlich auf den Grund gehen, versicherte Prof. Hoyer: „Wie kann ein Studium größtmögliche Flexibilität bieten, ohne dass seine Qualität und das Hauptziel der Studierenden – einen akademischen Abschluss zu erreichen – darunter leiden?“

Die FernUniversität will daher einen Forschungsschwerpunkt „Wertschöpfung in kooperativen Wissensnetzwerken“ einrichten. Gerade hat die nordrhein-westfälische Landesregierung 13 Millionen Euro für ein Forschungszentrum angekündigt. Bevor die FernUniversität in den Genuss dieser Fördermittel kommen kann sind allerdings noch Gespräche darüber notwendig, wie die Ziele beider Seiten abgestimmt werden können. Die Hagener Universität sieht ihren Ansatz mit einem „eKnowledge Network and Innovation Center – eKNIC“ breiter. Ihr komplexes Konzept geht über Forschung zum Thema E-Learning bzw. Technology enhanced Learning mit praktischer Anwendung in der landesweiten Hochschullehre hinaus und umfasst weitere Forschungslinien wie „Kollektives Wissen in Innovationsprozesse“ und „Design und Entwicklung von Wissensnetzwerken“. Ein schlüssiger, innovativer und tragfähiger Vorschlag, der – da ist sich der Rektor sicher – von der NRW-Landesregierung fair und konstruktiv gewürdigt wird.

Vorträge bestätigen den Weg der FernUniversität

Prof. Bastiaens sieht im Rückblick die FernUniversität durch die Inhalte der Vorträge bestätigt: „Unsere Projekte sind richtungweisend, wir sind auf dem richtigen Weg.“ Er vertritt, im Gegensatz zu einigen der anwesenden Fernlehrfachleute, die Meinung, dass E-Learning im Fernlehren und -lernen entscheidende Vorteile bringt. So war die „Social Software“ Web 2.0 in fast jedem der Vorträge ein wesentlicher Punkt. Ebenso die Präsenz von Studierenden. Beides, so Bastiaens, kann sich bestens ergänzen: „Lag früher beim Fernlehren und -studieren die Betonung auf ‚Fern’, können wir jetzt unsere Studierenden immer individueller betreuen.“ Durch das Web 2.0 könnten sie eigene Inhalte und Meinungen verbreiten und im virtuellen Klassenraum lernen: „Sie haben zunehmend das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Das Fernstudium hat immer mehr Vor- und kaum noch Nachteile.“

Einig waren die Fachleute mit Rektor Hoyer bzgl. der neuen Studierendengeneration. Darauf stellt die FernUniversität sich in einer Vorreiterrolle ein: „Wir kümmern uns auch immer mehr um das ‚Wohlsein’ unserer Studierenden, etwa um ihre Motivation“, so Bastiaens. Inhaltlich wird authentischer Content immer wichtiger: Theorien praktisch umsetzen zu können, also Wissen handlungsorientiert zu transferieren.

Gerd Dapprich | 28.05.2009
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de