Rubriken

FernUni-News - Lehre und Weiterbildung

Studieren im Netz mit allen Sinnen

Wie unterscheiden sich Online- und „Face-to-Face“-Kommunikation grundsätzlich?

Das virtuelle Studieren an der FernUniversität in Hagen wird dem klassischen Präsenzstudium in vielfacher Hinsicht immer ähnlicher, ohne seine spezifischen Vorteile einzubüßen. So kann man z.B. live an einem Seminar teilnehmen, ohne mit den anderen Studierenden in einem realen Raum zu sitzen: Gelernt wird in einem „virtuellen Klassenzimmer“, z.B. in einem Webinar.

Wie unterscheiden sich Online- und „Face-to-Face“-Kommunikation grundsätzlich? Nicole Engelhardt, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Medien und IT der FernUniversität, nennt hier die Unabhängigkeit von Ort und Zeit, die Möglichkeit, Inhalte zu speichern, mehrfach zu lesen und zu überarbeiten und die geringere Zahl der Kommunikationskanäle. Fehlt also alles, was Gefühle ausdrückt – Handbewegungen, Minenspiel – den Online-Gesprächspartnern? „Nicht unbedingt“, so die Mediendidaktikerin, „Emoticons können in Texten etwa nonverbale Elemente ersetzen.“

Ein Webinar bietet weitere Möglichkeiten. Nicht nur bei der synchronen, der gleichzeitigen Kommunikation im „virtuellen Klassenzimmer“. Je nachdem, welche Rechte die Teilnehmenden haben, können sie mit Symbolen Zustimmung, Beifall oder Widerspruch ausdrücken oder anzeigen, dass sie jetzt weggehen.

Ein wesentliches „Online-Merkmal“ sind Zugriffsmöglichkeiten auf die Audio- und Videoübertragung der Lehrenden. Teilnehmende können sich per Headset aktiv beteiligen, in kleineren Gruppen per Mikrofon kurze Bemerkungen machen. Webcams transportieren sogar Mimik und Gestik. Nicole Engelhardt: „Die technischen und didaktischen Möglichkeiten des virtuellen Klassenzimmers rücken es immer näher an die Präsenzlehre.“ Die Kommunikation wird, so auch der FernUni-Bildungswissenschaftler Sandro Mengel, „persönlicher und authentischer“.

Die Kehrseite: Die Zeitabhängigkeit steigt. Das muss nicht, kann aber ein Nachteil sein. Wer alleine lernt kann sich nach seinen persönlichen Lebensumständen richten, Gruppen dagegen müssen sich abstimmen. Asynchrone Kommunikation ist hierbei zeitaufwändig: „Hier kann die synchrone Kommunikation in einem virtuellen Klassenzimmer oft effizienter sein“, erläutert Nicole Engelhardt.

Das „virtuelle Klassenzimmer“ ist eine Software für die Nutzung webbasierter synchroner Veranstaltungen. Hier können Arbeitsgruppen z.B. Organisatorisches besprechen: Wie gehen wir weiter vor? Lehrende und Mitstudierende können im virtuellen Klassenzimmer – das an der FernUniversität ja eigentlich „virtueller Seminarraum“ heißen müsste – Rückmeldungen geben.

Online-Veranstaltungen können so auch im Fernstudium die soziale Präsenz erhöhen. Die Teilnehmenden erhalten eine Stimme und auch oft ein Gesicht, sind also weit mehr als ein Name am anderen Ende einer Leitung. „Ein virtuelles Klassenzimmer muss in das Gesamtensemble der Lehrangebote integriert sein, um die didaktischen Vorteile der jeweiligen Medien gezielt nutzen zu können“, unterstreicht Sandro Mengel.

Auf den Monitoren der Teilnehmenden erscheinen beim Webinar dann nur noch die Präsentationen der Vortragenden und die Texte der Chatts. Auf den Monitoren der Teilnehmenden erscheinen beim Webinar dann nur noch die Präsentationen der Vortragenden und die Texte der Chatts.

Nutzerfreundliche Bedienung

Zugleich Lernen und Kommunizieren: Auch das macht das virtuelle Klassenzimmer durch synchrones E-Learning möglich. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Kommunikationswerkzeugen stellt es auch Tools für das webgestützte Zusammenarbeiten zur Verfügung: Präsentationsbereiche für Folien, PDF- und Bilddateien, Whiteboard, Desktop- und Application-Sharing und Dateifreigabe/-austausch. Diese sollen laut Sandro Mengel „die Komponenten eines realen Seminarraums“ simulieren. Studierende können damit Just-in-Time Lehrveranstaltungen besuchen, fragen und diskutieren. Oft kommt eine fast reale Seminaratmosphäre auf.

Auch für Ungeübte wird die Handhabung immer einfacher und intuitiver. „Verzögerungen bei synchroner Online-Zusammenarbeit sind oft kaum noch wahrzunehmen, die Übertragungsqualität von Video und Ton hat immens an Qualität gewonnen“, so Mengel. Benötigt werden nur eine stabile Internet-Breitbandverbindung, ein Headset und eventuell eine Webcam.

Die Lehrenden stehen vor besonderen Herausforderungen: Sie sind für die Inhalte verantwortlich, müssen die Kommunikation moderieren und technisch versiert sein. Gleichzeitig. Sinnvoll ist es daher besonders für noch Unerfahrene, für Moderation und Technik Fachleute einzusetzen, um alle Kommunikationskanäle beobachten zu können: Teilnehmendenliste, Studichat, Moderatorenchat, Wortbeiträge, Videobilder, Whiteboard oder Hinweisfenster. Oft müssen Studierende vorab mit Whiteboard oder Application-Sharing vertraut gemacht werden. Während einer Sitzung können die Moderatoren die Layouts an die jeweilige Lernsituation anpassen.

Allerdings ist die gemeinsame Online-Arbeit für manche Studierende noch ungewohnt. Dann sollten die Moderatoren beim Austausch von Informationen oder dem Sammeln von Aspekten helfen bzw. den Einsatz bestimmter Methoden wie Brainstorming, Mapping-Methoden etc. vorschlagen.

Die Einsatzmöglichkeiten in der Lehre sind vielfältig. Häufig wird jedoch kein Moderationsteam benötigt. Bei Online-Vorlesungen hören die Studierenden den Vortrag per Audiokanal und sehen zusätzliche Inhalte – wie Vortragsgliederung, zusätzliche Unterlagen – auf ihrem Monitor. Auch ein Videostream des Vortragenden kann übertragen werden. Rückfragen sind per Textchat parallel zum Vortrag oder später möglich.

Wer an einer Online-Lehr- oder -Informationsveranstaltung nicht teilnehmen kann, findet an der FernUniversität wenig später eine downloadbare Aufzeichnung.

Es geht aber auch noch interaktiver. Für Austausch und Diskussion einer begrenzten Teilnehmerzahl werden in Online-Seminaren die Äußerungen der Lehrenden und der Lernenden per Ton und ggf. auch per Video übertragen. Neben den klassischen Präsentationsmöglichkeiten können z.B. auch Whiteboards oder Application-Sharing genutzt werden. Weil Blickkontakte nur bei Videoveranstaltungen möglich sind gibt es bei Webinaren einen Button, um sich bei den Moderatoren „zu Wort zu melden“. Auch abgestimmt wird per „Knopfdruck“.

Ganz ohne Lehrperson kommt die Online-Lerngruppe aus, die durchaus im virtuellen Klassenzimmer arbeiten kann. Hierfür erhalten die Studierenden höhere Rechte, sodass sie selbstständig Ton oder Videobild gemeinsam nutzen, Dateien anschauen, bearbeiten und austauschen können (eine Aufzeichnung erfolgt hier nicht). Diese Gruppenräume sind an der FernUni sehr beliebt, so Sandro Mengel, „weil hier ein sozial-kommunikativer Austausch über die Studieninhalte oder den eigenen Lernfortschritt zwischen Gleichgesinnten ermöglicht wird“. Eine „reale Cafeteria“ wie an Präsenzuniversitäten gibt es an der FernUniversität ja nicht.

Dass virtuelle Klassenzimmer Kontakte erleichtern, motiviert viele Studierende zur Teilnahme: 54 Prozent schätzen besonders den Kontakt zu Lehrenden, 47 Prozent den zu anderen Studierenden, ergab eine Studie des Instituts für Bildungswissenschaft und Medienforschung (IfBM) der FernUniversität. So kommt Sandro Mengel zu dem Schluss, dass das virtuelle Klassenzimmer helfen könne, soziale Präsenz aufzubauen. Webinare können demnach auch herkömmliche Präsenzseminare ersetzen (die meisten Studiengänge haben pro Semester ein Pflichtseminar). Das erspart den FernUni-Studierenden Reisekosten und Zeit. Das ist 73 Prozent der befragten Studierenden wichtig.

Gerd Dapprich | 26.08.2011
FernUni-Logo FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de