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„Wenn ich etwas wirklich will, dann ziehe ich das auch durch“

Für Radrennfahrerin Désirée Schuler gibt es nicht nur den einen oder den anderen Weg

Désirée Schuler will nicht das Rad neu erfinden, mit ihrem ist sie sehr zufrieden. Kein Wunder, denn damit hat sie schon viel gewonnen. An bis zu 50 Wettkämpfen in der ganzen Welt nimmt die Saarländerin pro Saison teil. Im vergangenen Jahr freute sie sich beispielsweise über den Gesamtsieg bei der Tour ta Malta und stand insgesamt 18 Mal auf dem Podium. Für ihre Uni – die FernUniversität in Hagen – holte die Studentin bei den Hochschulmeisterschaften 2007 in Münster die Goldmedaille.

Warum sie neben dem Sport studiert? Die Amateur-Radrennfahrerin will auch für die Zeit nach der sportlichen Karriere gut gerüstet sein. Für sie stand fest: „Ich will in meine Zukunft investieren.“ Seit zwei Semestern studiert sie deshalb an der FernUniversität in Hagen Betriebswirtschaftslehre.

„Schaffst du das überhaupt alles?“, werde sie oft von ihren Teamkollegen und -kolleginnen sowie von Freunden gefragt. Keine unberechtigte Frage, denn neben dem Studium, einer Sechs-Tage-Trainingswoche und vielen Wettkämpfen an den Wochenenden, leitet sie mit ihrem Freund auch noch einen Radsportverein und ihr Team. „Wenn ich etwas wirklich will, dann ziehe ich das auch durch. Entscheidend ist die Organisation“, sagt sie voller Überzeugung. Außerdem – und das motiviere sie zusätzlich – könne sie die Inhalte aus dem Studium ja schon jetzt jeden Tag in der Praxis anwenden. „Team Coogee Saar“ lautet der Name des Teams, das aus über 20 Radsportlerinnen und -sportlern sowie zahlreichen Physiotherapeuten und Betreuern besteht. Das Management – dazu gehört zum Beispiel die Buchhaltung, die Akquisition von Sponsoren und die Vorbereitung von Wettkämpfen – liegt ganz in ihren und den Händen ihres Partners.

Für die FernUniversität in Hagen holte Désirée Schuler (vorne) bei den Hochschulmeisterschaften 2007 in Münster die Goldmedaille - in diesem Jahr war sie durch eine Verletzung gehandicapt
Zeit zum Lernen bleibt der Sportlerin trotz des vollen Terminkalenders. Sie habe ihren eigenen Rhythmus gefunden und lerne morgens vor und abends nach dem Training zwei bis drei Stunden. Während der Hauptsaison im Sommer belege sie einen Kurs weniger, im Winter dafür einen mehr. „Das funktioniert super. Wäre ich an feste Zeiten und Vorlesungen sowie Seminare gebunden, müsste ich mich zwischen meinem Sport und dem Studium entscheiden“, erklärt sie. Aber für Désirée Schuler gibt es eben nicht nur den einen oder den anderen Weg. Sie will den einen gehen und den anderen – der umfasst alles in allem übrigens rund 20.000 km pro Saison – fahren. Warum sie das so genau weiß? Weil sie nach dem Abitur zunächst ein Wirtschaftsingenieurstudium an der HTW Saarbrücken begonnen hat. „Meistens habe ich es wegen des Trainings nicht geschafft, zu den Präsenzveranstaltungen, die ja oft auch abends sind, zu gehen. Letztendlich habe ich mich dann aus Zeitgründen gegen das Studium entschieden und eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau absolviert.“ Abgeschlossen hat sie ihre Lehre im Januar 2007.

Damals fuhr sie noch im Team Deutsche Weinstraße. Nachdem sich dieses dann aufgelöst hatte, wusste sie zunächst nicht, wie es weitergehen sollte. Eine dreimonatige Reise nach Australien sollte Klarheit bringen. Sie fuhr dort die „Geloong-Tour“, den gleichnamigen Weltcup und traf währenddessen eine Entscheidung. „Mein Freund und ich wollten ein eigenes Radteam gründen. Wieder in Deutschland angekommen haben wir unseren Plan direkt in die Tat umgesetzt. Weil dessen Name Lifestyle und Spaß symbolisieren sollte, haben wir es Team-Cogee-Saar genannt.“ Coogee Beach ist ein wunderschöner Strand in Australien, schwelgt Schuler in Erinnerungen.

Aber „nur“ Sportlerin? Die 25-Jährige merkte schnell, dass sie auch ihren Kopf fordern wollte. Die Lösung lag auf der Hand: Ein Studium an der FernUniversität in Hagen. „Eine Radrennfahrerin aus der Nationalmannschaft hat dort auch studiert und war sehr überzeugt davon, das wusste ich.“

Sie selbst habe sich zwar auch bei privaten Anbietern informiert, da habe ihr aber der Aufbau des Studiums nicht gefallen und sie habe an der Seriosität gezweifelt. „An der Hagener Uni läuft alles sehr professionell ab. Ich bin mit meinem Studium superzufrieden.“ Ihre Begeisterung wirkt ansteckend. Auch auf ihren Freund. Der wird ab dem kommenden Sommersemester ebenfalls an der FernUniversität in Hagen studieren.
Das Management des Radsportteams „Coogee Saar“ haben Désirée Schuler (unten, 2.v.r.) und ihr Freund übernommen
Manuela Feldkamp | 28.05.2008
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