Gut in die Situation der „typischen“ FernUni-Studierenden kann sich Prof. Dr. Andreas Kleine hinein versetzen: Der neue Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Quantitative Methoden und Wirtschaftsmathematik in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft an der FernUniversität in Hagen hat vor dem Studium eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert: „Dabei habe ich alle sechs Wochen die Abteilung gewechselt und ein breites Spektrum kennengelernt, bis hinein in die Produktion.“ Ganz besonders wichtig war es für Andreas Kleine, dabei auch mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun zu haben und einen Eindruck davon zu bekommen, wo es in der Praxis Probleme gibt. An diesen Fragestellungen wollte er weiterarbeiten, aber theoretisch fundiert. Dies war, wie für viele Studierende der FernUniversität, der Grund für eine akademische Ausbildung.
Neuer Professor in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft: Andreas Kleine.
Von 1984 bis 1989 studierte Andreas Kleine BWL mit Vertiefungen in Unternehmensforschung, Wirtschaftsinformatik und Organisation an der Universität des Saarlandes. Diese Universität wurde zu seiner wissenschaftlichen Heimat: Am Lehrstuhl für Unternehmensforschung wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Assistent und Oberassistent, promovierte hier 1995 und habilitierte sich 2001.
Nach einer Lehrstuhlvertretung war Prof. Andreas Kleine seit 2006 fest an der Universität Hohenheim tätig. Bevor er hier im Dezember 2008 zum Außerplanmäßigen Professor ernannt wurde, leitete er bereits seit Oktober 2006 das Lehrgebiet Quantitative Methoden und war Mitglied des Competence Centers Corporate Finance & Risk Management im Forschungszentrum Innovation und Dienstleistung.
Mathematische Lösungskompetenz vermitteln
Prof. Kleine ist optimistisch, dass er in Hagen „die Ansprüche der Fernstudierenden an das Studium gut nachvollziehen kann“. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass „wir praktische Probleme nicht eins zu eins lösen können“. Vielmehr geht es ihm darum, Grundlagenwissen zu vermitteln, das die Basis für die Entwicklung neuer Sichtweisen ist: „Das Grundlagenwissen muss aus der Theorie auf die konkrete Situation übertragen und angewendet werden können.“
Dabei befasst sich sein Lehrstuhl mit den quantitativen Grundlagen der Betriebswirtschaft: „Sie sind ein elementarer Bestandteil von Forschung und Lehre in den Wirtschaftswissenschaften, viele Ansätze basieren darauf. Daher müssen die Studierenden entsprechendes Grundlagenwissen haben.“ Kleine weiter: „Wenn man eine bestimmte Methodik erlernt hat, ist das auch gleichzeitig ein wirtschaftswissenschaftlicher Bezugspunkt für die Praxis, ein Angelpunkt, an dem der Student oder die Studentin sich wiederfindet.“
An der FernUniversität sieht er, dass gute Grundlagen vorhanden sind, die er darauf hin prüfen wird, ob und wie sie weiter zu entwickeln sind. So könnten die grundlegenden Module der „Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler“ eventuell mehr Anwendungsbezug vertragen, die vertiefenden Angebote vielleicht durch eigene Heuristik-Lerneinheiten ergänzt werden.
Wie wichtig die mathematischen Grundlagen sind, macht Kleine an dem Projekt „Marktintegration Erneuerbarer Energien“ in Kooperation mit der EnBW Transportnetze AG fest, das er seit März 2009 leitet – ein Thema, das heute angesichts der Atomkraftwerkskatastrophe in Fukuchima höchst aktuell ist.
Bei Netzen treten generell ganz besondere Fragestellungen auf. Wenn es um die Weiterleitung von Strom aus Erneuerbaren Energiequellen geht, „können wir nicht genau sagen, wie viel Energie transportiert werden muss.“ Die Erzeugung von Strom durch Wind lässt sich nicht exakt vorhersagen und nur sehr bedingt steuern. Zudem ist der größte Ertrag vor allem in Norddeutschland zu erzielen, während die größten Verbraucher – energieintensive Industrieunternehmen – in Süddeutschland sind. Das Projekt soll Modellierungen vorantreiben, mit denen die Prognosemethoden verbessert werden. Das Ziel ist, die Einplanung der Erneuerbaren Energien im Energiemix zu verbessern.
Weitere Fragen bei der Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien drehen sich auch um die Frage, wie viel Energie durch ein Netz transportiert werden kann: „ein typisches Optimierungsproblem“, so Kleine. Die Methoden zur Lösung sind z.T. schon seit Jahrzehnten bekannt, „aber erst heute haben wir Rechner, die leistungsfähig genug sind und (genetische) Algorithmen – hier sehe ich Potential, die Methoden in die Lehre einzubauen“, betont Kleine, der die Studierenden an die Modellierung heranführen möchte: Dabei werden ökonomischen Sachverhalte in eine formale Darstellung übertragen: „Ich möchte den Studierenden die Werkzeuge an die Hand geben, um für ein Problem ein Modell zu entwickeln, aus dem dann die Methode abgeleitet wird, die dann Entscheidungen unterstützt.“
In seiner Freizeit ist der 1961 im Rheinland geborene und aufgewachsene Vater von drei Kindern überzeugter Familienmensch und begeisterter Radfahrer. „Beides lässt sich auch bestens beim Radwandern miteinander verbinden“, freut er sich.
FernUniversität in Hagen, 58084 Hagen, Telefon: +49 2331 987-01, E-Mail: fernuni@fernuni-hagen.de