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Gemeinsam die Psychologie an der FernUniversität nach vorne gebracht

Drei Professoren gehen gleichzeitig in den Ruhestand

Prof. Dr. Gerd Wiendieck „gerne zur FernUni gekommen und geblieben“

„Ich bin gerne gekommen und gerne geblieben!“ Doch jetzt muss Prof. Dr. Gerd Wiendieck gehen: Nach seinem 65. Geburtstag am Sonntag, 28. Januar, wird der Leiter des Lehrgebiets Arbeits- und Organisationspsychologie in den Ruhestand wechseln – ohne der FernUnversität in Hagen vollständig verloren zu gehen, denn er wird auch weiter Prüfungen durchführen. Und gerne möchte er auch weiterhin „die eine oder andere Präsenzveranstaltung“ gestalten.

Besonders hat er seit seinem Wechsel von der Universität zu Köln nach Hagen 1991 den hohen Grad an Gestaltungsfreiheit schätzen gelernt: „Man kann zur Verbesserung der Qualität der Lehre Medien in beliebiger Zahl einsetzen – schön, dass die FernUniversität dies nach besten Kräften unterstützt!“ Auch die hohe zeitliche Flexibilität lobt der Professor sehr. Gleichzeitig hat er immer den persönlichen Kontakt zu seinen Studierenden gesucht und in zahlreichen Präsenzveranstaltungen, die zum FernUni-Studiensystem gehören, auch gefunden.

In Hagen hat er das Lehrgebiet neu aufgebaut. Als A+O-Psychologe weiß Wiendieck natürlich den Anteil seines Teams an den Erfolgen zu schätzen. Und die lassen sich durchaus sehen: Das Lehrgebiet gehört zu denen mit den meisten Studierenden an der FernUniversität. „Das lag ebenso am Klima in unserem Team wie an unserer Betreuung der Studierenden.“ Im Grunde musste dafür nur das Fachwissen in der Praxis angewandt werden: „Förderung der Beschäftigten, Humanität am Arbeitsplatz, Produktivitätssteigerung und Leistungsanreize haben in jeder Organisation ihren Sinn und lassen sich fast nahtlos ins Studium übertragen.“

Die Arbeits- und Organisationspsychologie ist heute eine etablierte Disziplin in der deutschen Hochschullandschaft. Ihren Aufschwung hat sie nicht zuletzt genommen, weil immer mehr Personalverantwortliche erkannt haben, dass sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden schneller mehr erreichen können als ohne oder gar gegen sie: „In der Wirtschaft wächst der Bedarf an psychologischem Know-how zur Unterstützung von Praxislösungen.“ Natürlich arbeiten die FernUni-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch mit Unternehmen zusammen: „Nur so kann man erkennen, was wirklich gebraucht wird und wo wir Beiträge leisten können.“ Und nicht nur dort: In letzter Zeit wurden die Hagener Studien für die Polizei in Köln und in Hagen auch in der Öffentlichkeit beachtet.

Interesse an Historie des Fachs: Prof. Helmut Lück

Seinen 65. Geburtstag feierte Prof. Dr. Helmut E. Lück am Samstag, 16. Dezember. Er leitet das Lehrgebiet Psychologie Sozialer Prozesse . Seine Forschungsinteressen und Veröffentlichungen liegen im Bereich der Sozialpsychologie, der Psychologiegeschichte und der Methodenlehre der Psychologie.

Prof. Dr. Helmut E. Lück zeigt ein Foto von Hugo Münsterberg, Begründer der Wirtschaftspsychologie

Studiert hatte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Köln, wo er 1969 auch promovierte. In Hagen baute Helmut Lück mit seinem Team das Fach Psychologie auf. U. a. begründete er 1987 das Kurt Lewin Institut für Psychologie. Diese erfolgreiche Weiterbildungseinrichtung in der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften leitet er seither als Direktor. Auch dem Direktorium des Instituts für Geschichte und Biographie in Lüdenscheid gehört er an.

An der FernUniversität schätzt er nicht zuletzt, dass „man an ihr vieles machen kann“. So fand er immer die Vermittlung von Wissen über Medien spannend. Frühzeitig setzte er sich für den Einsatz von Filmen in der Lehre ein. Beispielgebend für andere Wissenschaftler – auch in anderen Fakultäten – waren die Entwicklungen seines Teams zu virtuellen Seminaren, in denen in Gruppen gearbeitet wird.

Mehr als ein Hobby wurde in den letzten 20 Jahren für ihn die Psychologiegeschichte: „Psychologen sind an der Geschichte ihres Fachs oft nicht interessiert“, bedauert er, „dabei haben wir hier an der FernUniversität einige interessante Entdeckungen zutage gefördert, die das Institut für Psychologie über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht haben.“ Besonders erfreut ist er über das „Psychologiegeschichtliche Archiv“ des Instituts, das er Mitte der 1990-iger Jahre mitbegründet hat. Außer dem FernUni-Archiv gibt es nur ein weiteres dieser Art in Deutschland.

Leitmaxime seiner Lehre war immer: „Ich schreibe nichts, was ich als Leser nicht selbst verstehen würde.“ Daran hat er sich auch als Autor und Herausgeber wissenschaftlicher Werke gehalten: „Ich habe Spaß daran, wenn meine Bücher wahrgenommen und genutzt werden.“ Helmut Lück ist Herausgeber der Schriftenreihe „Beiträge zur Geschichte der Psychologie“ und Mitherausgeber der Zeitschriften „Gruppendynamik. Zeitschrift für angewandte Sozialpsychologie“ und „Journal für Psychologie“. Gemeinsam mit apl. Prof. Dr. Rudolf Miller gibt er die Schriftenreihe „Beiträge zur Sozialpsychologie“ heraus.

In seiner Freizeit widmet sich Helmut Lück seinen Hobbys: „Davon habe ich mehr als genug.“ Zusammen mit seiner Frau singt er in einem Gospelchor, erfreut sich an moderner Kunst („Ich verehre Emil Schumacher!“), sammelt Grafiken oder hört Musik fast aller Richtungen. Nicht zuletzt ist er auch Garten- und Naturfreund.

Prof. Lenelis Kruse glaubt an Lösungen für globale Umweltprobleme

„Langeweile werde ich bestimmt nicht haben, es gibt genügend anspruchsvolle Beschäftigungen“, freut sich Prof. Dr. Lenelis Kruse auf ihren Ruhestand, der ihrem 65. Geburtstag am Freitag, 16. Februar folgen wird. Da sie sich weiter mit ihren Themen als FernUni-Professorin befassen wird, ist das Ausscheiden aus dem aktiven Dienst kein Eintreten in die Inaktivität. Das verhindert schon die Aktualität ihrer Interessen – wie von Orkan Kyrill gerade unterstrichen.

Denn in zahlreichen Fachgesellschaften und anderen Organisationen war und ist die Leiterin des Lehrgebiets Ökologische Psychologie der FernUniversität in Hagen Mitglied, zum Teil in führenden Funktionen. Stellvertretend seien hier der Vorstand der Deutschen UNESCO Kommission und ihr Vorsitz im Fachausschuss „Wissenschaften“ der Deutschen UNESCO-Kommission genannt. Kürzlich ist sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in den strategischen Sachverständigenkreis zum Förderschwerpunkt „Nachhaltige Waldwirtschaft“ berufen worden. Dieser ist Teil des großen Rahmenprogramms FONA – Forschung für die Nachhaltigkeit.

1985 ist Lenelis Kruse zur FernUniversität gekommen. Ihre Überzeugung ist: „Wir müssen unseren Lebensstil ändern!“ Und dazu kann und muss die Psychologie ihren Beitrag leisten. Denn die drohenden Katastrophen seien nicht nur technisch bedingt, Wasserknappheit, Luftverschmutzung, Bodenerosion oder neue Krankheiten keine Probleme der Umwelt, sondern der menschlichen Gesellschaft insgesamt.

Die Lösungen der Probleme müssen daher praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen gemeinsam finden: „Nur interdisziplinäres Arbeiten sorgt für eine Vielzahl von Blickwinkeln, aus denen man die richtigen Maßnahmen ableiten kann.“

Obwohl sie sich darüber im Klaren ist, dass die globalen Veränderungen höchstens abgemildert, aber nicht verhindert werden können, bleibt die Umweltpsychologin „Berufsoptimistin – der Mensch hat ja die notwendigen Fähigkeiten“, um die Probleme zu lösen. Andererseits: „Wenn wir vernunftbegabten Menschen es nicht schaffen, uns an eine klare Zukunft anzupassen, haben wir es nicht verdient, länger auf der Erde zu bleiben.“

In der Umweltpsychologie ist das Themenspektrum weit gespreizt, umfasst Umweltbewusstsein und Umwelthandeln ebenso wie räumliches Verhalten und globale Umweltveränderungen. Der Vergleich von Frauen-Umwelten mit Männer-Umwelten bietet einen von mehreren Anknüpfungspunkten zum zweiten Arbeitsschwerpunkt, der Sozial- und Sprachpsychologie. Frauen in Führungspositionen und Soziale Repräsentation und Sprache (Männer und Frauen; Alt und Jung) sind hier zwei ihrer Themen. In diesen und anderen Zusammenhängen befasst sich Lenelis Kruse auch mit demografischen Problemstellungen oder mit der Benachteiligung von Frauen.

Der FernUniversität will Lenelis Kruse verbunden bleiben, etwa durch ihre weitere Mitarbeit am Interdisziplinären Fernstudium Umweltwissenschaften („infernum“).

Gerd Dapprich | 31.01.2007 10:05
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