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Anne-Rose Geißler

Psychologiestudentin und "Fernlernerin des Jahres 2009"

Anne-Rose Geißler
Anne-Rose Geißler - Portraitfoto Anne-Rose Geißler

Je älter Mann oder Frau wird, desto schwieriger wird das Lernen? Wer das glaubt, wird von Anne-Rose-Geißler schnell eines Besseren belehrt. Mit 53 hat sie ihr Abi nachgeholt, mit 54 hat sie sich im vergangenen Semester im Bachelorstudiengang Psychologie an der FernUniversität in Hagen eingeschrieben. „Wenn man jung ist, geht man unbeschwerter an Aufgaben heran und macht sich im Vorfeld weniger Gedanken, ob man erfolgreich sein wird oder nicht. Aber schwerer als meinen jüngeren Kommilitonen fällt mir das Lernen nicht.“

Nach der Geburt ihrer Tochter konnte Anne-Rose-Geißler – damals alleinerziehend – aus zeitlichen Gründen nicht mehr als Arzthelferin in der Unfallchirurgie arbeiten. Also hat sie als Sekretärin in einer Anwaltskanzlei angefangen. „Ich fühlte mich schnell unterfordert und habe mich deshalb per Fernlehrgang an der Fachhochschule Berlin zunächst zur Bürovorsteherin und anschließend zur Bürovorsteherin für Notariate weitergebildet.“ Zwischenzeitlich hatte sie mit ihrem neuen Lebensgefährten weiteren Familienzuwachs bekommen und ist seitdem dreifache Mutter.

Vom Lernen brachte sie das aber keinesfalls ab. Sie wollte immer ihr Abitur nachholen. Auch das ging aufgrund des Vollzeitjobs und der familiären Verpflichtungen nur per Fernunterricht. „Zu der Zeit waren mein Sohn und meine ältere Tochter auch in der Oberstufe und konnten mir prima Nachhilfe in Latein und Mathe geben“, schmunzelt sie. 2008 hat sie die Abiturprüfung erfolgreich vor der Hamburger Schulbehörde abgelegt und sich direkt an der FernUniversität in Hagen eingeschrieben. „Mich reizte ein ‚richtiges’ Studium an einer öffentlichen Universität.“

Mittlerweile ist sie im zweiten Semester und hat sich gut ins Fernstudium eingefunden. „Die Anforderungen sind hoch, aber es macht mir großen Spaß.“ Einen Kritikpunkt hat sie allerdings: „Ich würde mir ein breiteres Angebot an Präsenzveranstaltungen wünschen. Nicht, weil man alleine mit dem Stoff nicht klarkommt, ich finde das einfach für die Motivation wichtig.“

Für ihre „Fernlern-Karriere“ hat die 54-Jährige in diesem Jahr den „Studienpreis Lebenslanges Lernen“ vom Fachverband Forum DistancE-Learning erhalten. „Für mich ist es längst Normalität, mich neben dem Job weiterzubilden. Deshalb fand ich es auch irgendwie komisch, dass ich dafür jetzt einen Preis bekommen sollte.“ Gefreut hat sie sich natürlich trotzdem über die Anerkennung, die ihr der Parlamentarische Staatssekretär Andreas Storm in Berlin übergeben hat, Empfang im Bundesministerium für Bildung und Forschung inklusive.

Welche Reaktionen gab es eigentlich auf ihr Vorhaben, jetzt noch einen akademischen Titel zu erwerben? Fragen wie „Warum das denn jetzt auch noch? Was willst du denn mit einem Studium?“ erzählt die Studentin, seien nur von Leuten ihres Alters gekommen. „Die Jüngeren finden das ‚cool’“, grinst sie. Und was möchte sie mit dem Studium anfangen? „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, meine psychologischen Kenntnisse beruflich oder im ehrenamtlichen Bereich einzusetzen.“

Manuela Feldkamp | 22.10.2010
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